Interview

Marcin Mikołajczak – unermüdlicher Jäger nach Abenteuern und Emotionen. Ein Reisender, der mit seinem Fotoapparat nach ungewöhnlichen Situationen weit weg von der Zivilisation „jagt“ und schließlich ein Maler, der in Abgeschiedenheit seines Ateliers diese außergewöhnlichen Geschichten, ihre Schönheit, Traurigkeit, Bedürfnisse und Authentizität seiner Protagonisten auf der Leinwand zeigt.
Der bekannte Maler erzählt uns heute von seinen Inspirationen, Anfängen seiner künstlerischen Tätigkeit und von seinen Träumen, indem er uns in für einige Augenblicke in seine intime und geheimnisvolle, nach wilder Natur, würzigen Gewürzen und Faszination für den menschlichen Körper und seine Seele duftende Welt einlässt.


Piotr Reich

Marcin, es ist von dir bekannt, dass du reist, tauchst, malst, ungewöhnliche Möbel fertigst; gibt es aber noch etwas, das dich interessiert und worüber du stundenlang reden kannst?

Marcin Mikołajczak – Hmm… Es gibt ein paar Sachen, solche wie Neugier auf andere Menschen, Spiritualität, die Suche nach einem Leben, das mit der Natur im Einklang steht, aber es gibt auch etwas Prosaisches …

PR – Was denn?

MM – lachend – Küche! Ich probiere gerne neue Gerichte und Aromen aus. Auf meinen Reisen wandern wir mit meiner Partnerin Monika auf unbefahrenen Wegen, treffen Leute, Orte, die eher für Einheimische und nicht für einen normalen Touristen vorbehalten sind. Wir sind sehr offen für neue Bekanntschaften aller Art sowie für lokale Leckerbissen.

PR – Sind dir irgendwelche besondere Speisen im Gedächtnis geblieben?

MM – Oh ja! Vor allem ausgezeichnete Frösche, auf verschiedene Weise zubereitet und köstliche Tarantel in Paprikasoße, die in Kambodscha serviert werden. Nach dem Krieg war das Land verwüstet, die Bewohner mussten also mit der Ernährung irgendwie zurechtkommen. Deshalb wird dort nichts verschwendet und wir respektieren es, indem wir uns an den Le-bensstil der dort lebenden Leute anpassen.

PR – Dann bleibe ich vielleicht bei meinen traditionellen Käse- und Apfelkuchen.

MM – Aber ich habe sie auch sehr gern! Was mich aber überhaupt nicht stört, andere unbekannte Dinge auszuprobieren und auf diese Weise die Kultur der Menschen in Ländern, in die ich reise, besser kennenzulernen, um anschließend diese „Kenntnisse“ auf die Leinwand zu übertragen.

PR – Da wir beim Malen sind, kannst du mir sagen, wie dein Abenteuer damit begonnen hat?

MM – Die erste Etappe war die Akademie der Bildenden Künste in Poznań, wo ich meine professionellen Fertigkeiten erworben habe. Ein großer Schritt in Weiterentwicklung meiner Maltechniken war der Aufenthalt in London und Erstellung von Grafiken, die mit dieser au-ßergewöhnlichen Stadt verbunden sind. Es war ein gewisser Wendepunkt, als sich heraus-gestellt hat, dass ich vom Verkauf meiner eigenen Bilder leben konnte. Nach meiner Rück-kehr nach Polen war ich schon davon überzeugt, dass es der Weg ist, den ich gehen möchte.

PR – Du hast dich aber nicht gleich mit der Malerei befasst?

MM – Das stimmt. Ich kam in ein Studio, in dem Gemälderahmen gefertigt wurden. Ich habe sie handgemacht, indem ich Material und Farbe für das konkrete Gemälde gewählt habe. Jeder Rahmen war anders, originell und einzigartig. Die Abnehmer waren Kunstgalerien, Museen und Sammler. Auf meinem Weg habe ich damals einen für mich sehr wichtigen Mann, Ryszard Kaja – den bekannten Drehbuchautor, Plakatkünstler und Reisenden getroffen. Ge-meinsam haben wir Entwurf der Dekorationen für Stary Browar (Alte Brauerei) in Poznań vorbereitet. Wir haben ungewöhnliche und sehr individuelle Möbel für dieses bekannte Kunst- und Einkaufszentrum entworfen und gefertigt. Entwerfen von Gemälderahmen und Möbeln sowie die konservatorische Arbeiten haben zur Entstehung meiner eigenen Mal-technik beigetragen.

PR – hast gesagt, dass Ryszard Kaja für dich sehr wichtig ist; warum?

MM – Ja, Ryszard hat mir die Perspektive eröffnet, um die Welt zu reisen und sich nicht auf Orte zu beschränken, die den Touristen bekannt sind und mit ihren Füßen schon zertreten wurden. Er war mein Führer und Wegweiser. Er hat mich gelehrt, keine Angst zu haben und zu fahren, wohin ich es mir nur erträumt habe. Er hat mich überzeugt und ich erreiche tatsächlich Orte, die für mich als Künstler interessant sind und eine inspirierende Wirkung haben. Ich meide Kurorte und überfüllte Strände. Außer meiner Partnerin Monika und manchmal den Kindern begleitet mich auf Reisen eine Gruppe bewährter Freunde. Kenia, Madagaskar, Nicaragua, Costa Rica oder Laos, Kambodscha, Vietnam, Indonesien sind meine Lieblingsreiseziele, aber ich habe noch Lust, immer neue Orte und Menschen kennenzulernen.

PR – Welche Wirkung haben die Reisen auf dein künstlerisches Schaffen? Sind sie eine Inspiration oder nur einer der Gründe dafür, lange Reisen zu unternehmen?

MM – Im Prinzip kann ich so antworten: Ich male, um Geld zu verdienen und es für weitere Reisen zu bestimmen. Auf den Reisen schaue ich mir das alltägliche Leben der mir unbekannten Menschen und exotische Landschaften an, erlebe verschiedene Abenteuer, schöpfe Stoff für weitere Gemälde. Ich male um zu reisen und reise um zum malen. Ich befriedige gleichzeitig zwei Leidenschaften. Das ist das Wesen meines Lebens und ich drücke es in meinen Arbeiten aus.

PR – Deine Gemälde zeichnen sich durch eine sehr interessante Technik aus – Textur, viele Schichten aufgetragener Farbe, aber auch die einmalige Ausdruckskraft der Botschaft. Wie gelingt es dir Marcin, das zu erreichen?

MM – Ich habe die Technik bereits erwähnt; sie ist eine Kombination meiner bisherigen Er-fahrungen und Ergebnis vieler künstlerischer Experimente. Viele Leute sagen mir, dass sie meine Bilder erkennen können und dass sie für sie charakteristisch sind. Außerdem versuche ich eine gewisse Sensibilität der Gestalten aber auch ihre Bewegung „aufzuhalten“ und zu zeigen. Ich bin der Meinung, dass unsere Augen Spiegel der Seele sind, also sind in meinen Arbeiten ihre Anordnung, Form, Farbe und Funke für die endgültige Vermittlung des Bildes entscheidend. Jedes Mal fühle ich mich in die gemalte Gestalt ein und versuche, ihren Cha-rakter hervorzubringen, indem ich ihr meine eigene Form verleihe.

PR – Hast du irgendwelche besondere Reiseerinnerungen, Geschichten, die dich bewegt und die du anschließend in deinen Gemälden verewigt hast?

MM – Natürlich gibt es viele davon. Zum Beispiel eine sehr arme, in einem Salzbergwerk in Bolivien arbeitende Familie. Diese Leute haben uns bewirtet, obwohl sie selbst nicht viel zu essen hatten, sie haben ihre Nahrung mit uns geteilt und jede Ablehnung unsererseits ver-weigert. Unter den Augenlidern habe ich immer noch das Bild ihres Sohnes, der ohne einen Schuh im Hof stand und nach anstrengender Arbeit müde war. Ein anderes Bild zeigt Händler aus Ha Long Bay in Vietnam, die Obst von Booten verkauften oder Kinder aus der Grund-schule in Namibia. Wir sind damals Dutzende Kilometer gefahren, ohne auf Spuren irgendei-ner Zivilisation zu stoßen. Ihre einzige Erscheinung war die Schule „in der Mitte von Nichts“ und ihre wissensdurstigen Schüler. Solche Bilder aus dem Leben lehren Demut und weisen uns in die Schranken, wenn wir glauben, dass der Stau in der Stadt oder Mangel am Lieb-lingsgetränk im Laden ein Problem sind.

PR – Marcin, du beschäftigst dich seit einigen Jahren beruflich mit Malerei und deine Gemälde werden wahrscheinlich mehr im Ausland als in Polen geschätzt. Warum ist es so?

MM – Ich kann hier mit dir nicht übereinstimmen. Ich verkaufe meine Arbeiten sowohl in Polen als auch an Sammler aus der ganzen Welt. Ich habe meine treuen Fans hier und dort – Gelächter. Und im Ernst, ich bin wirklich glücklich, dass ich Kontakt zu den Leuten habe, denen meine Arbeiten gefallen und ich verschicke Gemälde unter anderem in die Vereinigten Staaten, nach Südafrika, in die Schweiz, nach Kanada, in die Türkei, nach Australien und in viele andere Länder. Sie gehen auch in exotischere Orte wie z.B. letztens auf die Insel Réuni-on. Ich denke, dass meine Bilder eine so universelle Botschaft vermitteln, dass sie unter je-der geografischen Breite und Länge gefallen können.

PR – Der letzte Zyklus deiner Arbeiten, bei dem es sich um afrikanische Porträts handelt, ruft wohl die meisten Emotionen hervor und verursacht, dass die Arbeiten grundsätzlich vergriffen sind?

MM – Vielen Dank, ich kann mich über die fehlenden Aufträge für meine Gemälde nicht klagen. Aber es stimmt; nach Arbeiten, die Pferde, Akte, Wassersprünge, spielende Kinder darstellten, begann ich, wie du dich schön ausgedrückt hast, afrikanische Portraits zu malen. Ich zeige darin Kulturen, die mich faszinieren, ethnische Motive und vor allem Farben, Farben, die die Zuschauer mit ihrer eigenen Sprache ansprechen. Außerdem sieht jeder Käufer in meinen Arbeiten etwas Individuelles und nur für sich Vorbehaltenes. Ich denke, das sind die Hauptgründe für den beträchtlichen Erfolg dieser Bilder.

PR – , verrate uns bitte, woran du jetzt arbeitest.
MM – Wenn ich es verrate, wird es keine Überraschung mehr geben! – Gelächter. Ich werde den Schleier des Geheimnisses ein bisschen lüften und sagen, dass ich gerade an einer anderen Präsentationsform und einem neuen Themenkreis meiner Bilder arbeite. Ich hoffe, dass sie Anerkennung finden. Ich lade alle Fans der Malerei ein, meine offizielle Website www. marcinmikolajczak.com zu besuchen und mein Profil auf FB www.facebook.com/MarcinMikolajczak.art zu folgen.

PR – Ich danke dir für das Gespräch und wünsche dir Erfolg bei Erfüllung aller beruflichen und privaten Träume.

MM – Vielen Dank und ich wünsche dir dasselbe.

Materiał powstał przy udziale PR Artist Managment.